Presse/Medien - Ein Jahrbuch vom J.P.Bachem Verlag

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KÖLN BLICK AUF 2004 - Ein Jahrbuch
vom J.P.Bachem Verlag

 

BLICK AUF 2004

 

Eine Adresse war dereinst eine feste Sache. Meist wurde sie nur einmal im Leben geändert: beim Auszug aus dem Elternhaus. Vorbei sind solche Zeiten. Ausbildung, Studium, Single-Dasein, Familiengründung, Jobwechsel oder Scheidung sind einige der nahe liegenden Faktoren für einen Wohnwechsel. Und eine zunehmend mobilere Gesellschaft hält noch zahllose andere denkbare Möglichkeiten bereit, sich auf Zeit einzurichten. Ein oder zwei Jahre im Ausland, ein paar Monate Zwischenstopp in der Heimat, eine Anlaufphase in Job oder Familie. Familienzusammenführung oder Splitten in zwei Haushalte, Versorgung von pflegebedürftigen oder behinderten Angehörigen kommen genauso in Betracht wie die Ausgliederung eines Arbeitsbereichs aus der häuslichen Umgebung, ein Wechsel des Geschäftsitzes oder der Einstieg in die Selbständigkeit. Wohnen und Leben auf Zeit ist die Devise. Und zwar möglichst unter optimalen Bedingungen.

 

WOHLFÜHLEN OHNE SACK UND PACK
"Zeitwohnen" heißt das Zauberwort, das die Lücke zwischen dem Zuhause auf Lebenzeit und einer temporären Bleibe füllt.
Frauke Pflock betreibt im Kölner Süden eine Zeitwohnagentur. In der Kartei mit über 2000 Adressen lässt sich schnell für jeden das Richtige finden. Da ist etwa der EDV-Projektleiter aus München, der für ein halbes Jahr in Köln eine moderne eingerichtete Zweizimmerwohnung sucht. Oder der englische Gastdozent, der sich lieber für ein bis zwei Semester in einer Lindenthaler Villa behaglich niederlässt.

 

Viel beschäftigte Manager finden bei der Agentur eben so ein Appartment-Haus mit wöchentlichem Reinigungsservice wie die sieben Dachdecker, die sich für ein paar Wochen eine große Wohnung in der Nähe ihres Einsatzortes teilen wollen.
Für den Vermieter bietet das Überlassen möbilierten Wohnraumes auf Zeit oft eine optimale Lösung. Wenn später die Kinder das Eigentum übernehmen sollen oder auf mittlere Sicht ein Verkauf ansteht, bindet er sich nicht gerne langfristig. Zudem kann der kurzfristige Mieter kein angestammtes Recht geltend machen.

 

GESCHÄFTSIDEE NACH ENGLISCHEM VORBILD
Gegründet hat Frauke Pflock die Agentur vor gut zehn Jahren. Damals hatte sie als Vertriebsmitarbeiterin die ständigen Hotelaufenthalte satt. "Man konnte sich ja nicht einmal einen Tee kochen!", sagt die heutige Chefin von vier Mitarbeitern. "Ausserdem musste man freitags alles einpacken und mitnehmen, nur um dieselben Sachen montags wieder auszupacken." Ihr Mann Karl-Heinz Pflock, heutiger Mitinhaber, war damals viel in London unterwegs und kannte von dort die Idee des möbilierten Wohnens. Um sich von den damals bestehenden Mitwohnzentralen abzuheben, kreierte er treffend den Begriff "Zeitwohnen". Inzwischen gibt es in Köln drei solcher Anbieter. Eine solche Geschäftsidee erfordert von den Mitarbeitern viel Menschenkenntnis: Um den Wohnungssuchenden schnell einzuschätzen und das Passende zu finden, haben sie oft nur wenige Minuten am Telefon zur Verfügung. Zu welchem Vermieter passt der japanische Manager, wem ist die Frage ob Raucher oder Nichtraucher egal, wen stört die nächtliche Heimkehr von Schauspielern oder Medienleuten nicht? Sucht der Projektleiter eher eine Wohnung mit Balkon oder mit Waschmaschine?

 

Mittlerweile hat die Agentur auch in anderen Städten wie Bonn oder Frankfurt Fuß gefasst. Dass dabei auch die Konkurrenz nicht fern blieb, stört Frauke Pflock wenig. Schliesslich ist ihre Agentur mit der vanity-Nummer 0700/Zeitwohnen erste Anlaufstelle für den Mieter auf Zeit.